Bedeutung der Kommunikation für die Paarbeziehung

In den letzten Jahren und Jahrzehnten hat sich die Zahl der Ehescheidungen in Deutschland drastisch erhöht. Von 2001 bis 2003 ist die Rate um 8,3% auf fast 213.975 gestiegen (Quelle: Statistisches Bundesamt). Es kann weiter davon ausgegangen werden, daß jede dritte Ehe keinen Bestand haben wird. Die Konsequenzen, persönlich, familiär, finanziell und nicht zuletzt auch volkswirtschaftlich, sind kaum absehbar.

In der Literatur werden verschiedene Gründe diskutiert: Der seit langem stattfindende Wertewandel in unserer Gesellschaft hat die Ansprüche der Partner untereinander gravierend verändert; die traditionelle Eheauffassung verliert zunehmend an Bedeutung; bislang geltende Normen wie Treue und das Einhalten traditioneller Geschlechterrollen wurden durch individuelle Selbstentfaltungsbestrebungen abgelöst. Die gesetzlich festgelegte Gleichstellung zwischen Mann und Frau, die Bildungsexpansion, sowie zunehmende Frauenerwerbsbeteiligung waren wesentliche Auslöser dieser Tendenzen.

Betrachtet man aber diese sozialpolitisch basierten Erklärungen unter individuellen Aspekten, so fragt man sich z.B., ob der zitierte Bedeutungsverlust der herkömmlichen Eheauffassung tatsächlich zu einer zunehmenden Entfremdung der Partner und zwangsläufig zu erhöhter Scheidungsbereitschaft führen muß. Natürlich setzt der geringere Wert, der heute verbreitet der Institution der Ehe beigemessen wird, die Hürden für eine Entscheidung sowohl zur Eheschließung als auch zur -scheidung deutlich herab. Betrachtet man aber den Aufwand, der in emotionaler, finanzieller und sonstiger Hinsicht bei einer Heirat nach wie vor die Regel ist, kann man daraus nur schließen, daß die relativ geringen "Erfolgsaussichten", die dieser Ehe nach der Statistik beschieden sind, von den beiden Betroffenen zu diesem Zeitpunkt so nicht gesehen werden, daß die Intentionen doch zu einer erhofften Dauerhaftigkeit gehen.

Wenn aber nach dem eher emotional geprägten Start in die Ehe der normale Alltag mit seinen vielfältigen Sorgen, Ärgernissen und Problemen beginnt, werden die Weichen für das Schicksal der Partnerschaft gestellt. Ganz selten ist es ein Ereignis, ein Vorfall, der zur Trennung führt, i.d.R. handelt es sich um eine Abfolge, eine Reihe von Vorkommnissen, die eine Fortführung der Gemeinschaft nicht mehr opportun erscheinen lassen. Betrachtet man diese Abfolge genauer, dann zeigt sich, daß die Entwicklung in der überwiegenden Zahl aller Fälle mit verbalen Auseinandersetzungen begonnen hat! Nach dem ersten Axiom von Paul Watzlawick - "Man kann nicht Nichtkommunizieren" - zeigt sich die überwiegende Bedeutung, die der Kommunikation in der Paarbeziehung zukommt!

Es ist völlig unerheblich, ob eine Auseinandersetzung zwischen den Partnern um Fragen der Kindererziehung, des gemeinschaftlichen Geldes oder um sexuelle Treue geführt wird, als Mittel der Kommunikation wird i.d.R. die Sprache benützt. Und so, wie Feuer positiv verwendet werden kann, um Wärme zu spenden, kann es destruktiv zur Zerstörung eingesetzt werden. Das gleiche gilt auch für die Sprache: Ich kann meine verbalen Auseinandersetzungen durch konstruktive Kommunikation führen, aber ich kann auch mit meinem Partner destruktiv kommunizieren! Jeder Partner - auch in Zweierbeziehungen außerhalb der konventionellen Ehe - hat es somit in der Hand, die Entwicklung der Auseinandersetzung bewußt zu steuern (Natürlich wird hierbei vorausgesetzt, daß die Wertigkeit der Beziehung auf beiden Seiten gleich hoch eingeschätzt wird.).

Um die Gefahren, die in der destruktiven Kommunikation liegen, zu vermeiden, ist deren Kenntnis von großer Bedeutung. Um auf das Beispiel mit dem Feuer zurückzukommen: Wer den Umgang damit beherrscht, kann die ihm innewohnenden Risiken vermeiden!

To keep your marriage brimming
With love in the marriage cup:
Whenever you're wrong - admit it;
Whenever you're right - shut up!
Ogden Nash, 1962

Frei übersetzt:
Wenn du willst, daß dein Ehekelch
Mit Liebe bis zum Rand gefüllt bleibt,
Dann gib zu, wenn du im Unrecht bist,
Und wenn du Recht hast: Halt die Klappe!
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