Generalisierungstendenz

Wie schon unter den geschlechtsspeziischen Problemen beschrieben, kommunizieren Männer vorwiegend rational, während bei Frauen der emotioanle Aspekt im Vordergrund steht. Ein beliebiger Sachverhalt macht es für die Frau erforderlich, eine Botschaft auszusenden. Die geschlechtstypische Tendenz zur Generalisierung und Emotionali- sierung der weiblichen Sprache gibt der Botschaft für die Senderin selbst von vorneherein eine andere Bedeutung, als für den Mann, der die Nachricht mit dem Sachohr wörtlich aufnimmt. Nie gehen wir aus! Alles geht schief! Keiner hilft mir! Das sind drei von zahllosen Möglichkeiten, ein Gespräch zwischen Mann und Frau schon im Ansatz destruktiv zu machen. Was die Frau emotional meint und, um es für den Gesprächspartner zu verdeutlichen, in der Aussage generalisiert, führt beim Mann zu schroffen Reaktionen.
keifende FrauEin Beispiel: SIE kommt am Abend müde vom Büro oder der Großmarktkasse nach Hause und in der Küche stapelt sich noch das Frühstücksgeschirr. ER kam kurz zuvor und sitzt am PC. Mißmutig macht sie sich an die Arbeit. Beim Abendessen wirft sie ihm vor, sie sei hundemüde, und er würde ja auch NIE in der Küche helfen. ER reagiert verärgert und ohne Verständnis, erst vorgestern und am letzten Sonntag habe er den ganzen Abwasch erledigt, wie könne sie nur behaupten, er würde NIE helfen?!

SIE: Mein Gott, bist du kleinlich, nun lege doch nicht jedes Wort auf die Goldwaage!

ER: Ich habe nur ganz konkret auf deinen Vorwurf geantwortet, der einfach nicht stimmt!

Was läuft hier ab? Pointiert ausgedrückt kann man feststellen, daß der Mann angesichts des schmutzigen Geschirrs seinen Problemverdrängungsmechanismus aktiviert und sich zuerst für Entspannung entschieden hat, oder - lösungsbewußt und zielorientiert - die Menge an Geschirr als klein genug einstuft, um sie zusammen mit dem unweigerlich anfallenden Abwasch nach dem Abendessen zu erledigen, vielleicht sogar mit der ernsten Absicht, SIE nach dem Essen zärtlich aber bestimmt aus der Küche zu schicken! Somit war für ihn überhaupt keine Notwendigkeit gegeben, sich sofort an die Spüle zu stellen - problemorientiert war diese Tätigkeit für später vorgesehen.

Die Frau fühlt sich i.d.R. für den Haushalt verantwortlich, selbst dann, wenn definierte, größere Teile der Arbeit absprachegemäß vom Mann erledigt werden. Die abendliche Rückkehr in einen unordent-lichen, schlampigen Haushalt - nur das Geschirr ist nicht gespült - (1. Beispiel für Tendenz zur Generalisierung) ist für die Vielzahl aller Frauen ein unerfreulicher Gedanke, sie fühlen sich eben für die Gesamtheit verantwortlich. Wenn dann der Mann Zeitung liest, am PC sitzt, oder sonstwie entspannt, wird dieser Anblick emotional aufgegriffen ("Alles muß ich alleine machen"), ohne die Absichten des Partners zu erkunden. Dann kommt der Vorwurf, er würde NIE helfen (2. Beispiel für Tendenz zur Generalisierung).

Sachlich betrachtet müßte man hier feststellen, daß SIE im Unrecht ist, bei erwachsenen Menschen und gleichberechtigten Partnern sollte man davon ausgehen können, daß miteinander gesprochen wird und man solche Minimalproblemchen im Vorfeld abklärt. Im menschlichen Miteinander gibt es aber "das" sachlich richtige Verhalten, "die" korrekte Durchführung einer zwischenmenschlichen Interaktion nicht, da die Prägung durch Elternhaus und persönliche Entwicklung für eine absolute Vielschichtigkeit des persönlichen Verhaltens gesorgt hat. Die Überlegung, wer sich sachlich richtig verhält und wer nicht, ist also unzulässig. Wir müssen vielmehr darauf abheben, wie sich jeder persönlich zu verhalten hat , um mit dem Partner nicht destruktiv kommunizieren zu müssen, sondern produktiv kommunizieren zu können.
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