Beispiele aus der Transaktionsanalyse

Mit den bisherigen Ausführungen haben wir die Faktoren untersucht, die die Grundlage für mögliche Störungen in der Paarkommunikation bilden. Jetzt beschäftigen wir uns mit der Kommunikation selbst. Als sehr hilfreich erweist sich hier die Transaktionsanalyse. Nachdem wir Menschen bei unserer verbalen oder non-verbalen Kommunikation stets durch äußere oder innere Reize, Gefühle und Erinnerungen beeinflußt werden, sind wir zwangsläufig immer in einem der drei Zustände, dem Eltern-Ich, dem Kind-Ich oder dem Erwachsenen-Ich.

Stewart/Joines (Die Transaktionsanalyse, Herder Freiburg, 7. Auflage) beschreiben das Ich-Zustands-Modell wie folgt: Im Eltern-Ich wird das Verhalten, Denken und Fühlen von den Eltern oder Elternfiguren übernommen. Im Kind-Ich stammen Verhalten, Denken und Fühlen aus der Kindheit und laufen jetzt wieder ab, während im Erwachsenen-Ich Verhalten, Denken und Fühlen eine direkte Reaktion auf das Hier und Jetzt sind.

Wir beobachten folgenden Fall: Ein Ehepaar im normalen Tagesablauf, die Frau erledigt eine nebensächliche Tätigkeit in den Augen ihres Mannes falsch. Völlig wütender Mannunangemessen bemerkt ER: "Mein Gott, wenn man dich schon mal was machen läßt!" Daraufhin reagiert SIE völlig frustriert und macht nun auch tatsächlich Fehler.

Was ist hier geschehen? Durch irgendwelche nebensächlichen Eindrücke hatte der Mann plötzlich das Gefühl, diese häusliche Situation schon einmal erlebt zu haben. Damals machte sein Vater diese abwertende Bemerkung zu ihm. Nach der Transaktionsanalyse war ER durch diese Erinnerung in seinem "kritischen/ kritisierenden Eltern-Ich", fühlte sich dadurch überlegen und sprach den selben Satz wie der Vater.

Bei der Frau hatte es keine Erziehuntrauriges Mädcheng zum selbstbewußten Menschen gegeben. SIE hatte vermutlich zahlreiche ähnliche Situationen als Kind erlebt - und sich nie gewehrt. Durch die verletzende Bemerkung ihres Mannes wurde SIE in den Kind-Ich-Zustand transferiert und unfähig zu jeder Verteidigung, so wie damals. Durch Verunsicherung entstehen erst recht Fehler. In der Folge, solange diese Auseinandersetzung währt und noch einige Zeit darüber hinaus, wird SIE nicht in den Erwachsenen-Ich Zustand zurückkehren können, da dies vom ständigen Gefühl des Nicht-Vollwertig-Seins, das ihr das Kind-Ich vermittelt, verhindert wird. Ein Paradebeispiel, wie destruktive Kommunikation entsteht.

Wäre die Frau in der Ursprungsfamilie jedoch zu einem gesunden Selbstbewußtsein erzogen worden, wäre die Transformation in das Kind-Ich nicht erfolgt und im Erwachsenen-Ich hätte SIE ihrem Mann antworten und sachlich im Hier und Heute reagieren können.

Nach der Transaktionsanalyse befindet man sich während der Kommunikation unabdingbar immer in einem der drei Ich's und nachdem zu einem Gespräch immer wenigstens zwei gehören, heißt das, hier treffen jeweils auch zwei Ich's aufeinander. Ein Eltern-Ich spricht zum Kind-Ich, ein Kind-Ich spricht zum Erwachsenen-Ich, usw. (Nachdem man die Charaktere noch weiter unterscheidet, gibt es zusätzlich u.a. noch das kritische Eltern-Ich, das liebevolle Erwachsenen-Ich, das weinende Kind-Ich {IBW, Analytische Gesprächsführung, S.93, ff}).

"Die Transaktionen lassen sich grundsätzlich in drei Hauptformen gliedern, nämlich parallele, überkreuzte und verdeckte Transaktionen. Bei parallelen Transaktionen wird von dem Ich-Zustand reagiert, an den die Botschaft gesendet wurde, und zwar auf jenen Ich-Zustand, von dem sie kam. Andernfalls handelt es sich um eine gekreuzte Transaktion (auch dann, wenn sich die Pfeile nicht wirklich "kreuzen", z.B. EL an Er und Er an K). Bei den verdeckten Transaktionen wird neben dem vordergründigen Inhalt gleichzeitig (über Mimik, Gestik, Tonfall, etc) eine verdeckte psychologische Botschaft (meist die Beziehung betreffend) an einen anderen Ich-Zustand gesendet."

(Kriz, 2001, Grundkonzepte der Psychotherapie, Weinheim: Psychologie Verlags Union)

In unserem Zusammenhang interessieren aber nur solche Kombinationen, die mehr oder weniger zwangsläufig zur destruktiven Kommunikation führen.

kritisches Eltern- zu Kind-Ich: Diese Kombination wird bestimmt von Belehrungen, Beschuldigungen, Kritik und Bedrohungen
Erwachsenen- zu Kind-Ich: Geprägt von Vorrangstellung und Überlegenheit
Kind- zu Kind-Ich: Schmollen, Trotz und Manipulation gehören zu den typischen Reaktionen
Wenn der Sender seine Botschaft in Kritik und Bedrohung verpackt, ist die Wirkung auf den Empfänger dann umso negativer, wenn er nicht auf gleicher Rangstufe entgegnen kann, sondern im Kind-Ich reagieren muß. Auch im zweiten Fall wird sich eine destruktive Kommunikation entwickeln, wer läßt sich schon gerne belehren? Auch Trotz und Manipulation führen in's kommunikative Aus!
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