Rückkopplung

Das Gegenteil dessen, was mit dieser Art negativer Metakommunikation erreicht wird, kann die Rückkopplung (siehe auch: IBW, Analytische Gesprächsführung, S. 133, ff) bewirken. Nachdem als wahr gilt, "...was der Empfänger verstanden und nicht, was der Sender gesagt hat" (IBW, a.a.O.), wird auch verständlich, warum in der nachträg- lichen Beurteilung eines Gespräches so viele Mißverständnisse auftreten können. Nach dem eben geschilderten Vier-Ohren-Modell geht es ja nicht nur darum, was der Sender in realiter gesagt hat, sondern seine "Wahrheit" ist die, wie sie in der von ihm beabsichtigten Botschaft (in unserem Beispiel oben die Wahrheit des Selbstkundgabe-Schnabels!) enthalten ist. Diese Wahrheit - also eine von vier Möglichkeiten - wird sich ihm als seine getätigte Äußerung einprägen. Das gleiche gilt für den Empfänger. Die Wahrscheinlich- keit, daß Sender und Empfänger im Nachhinein von der selben Wahrheit ausgehen, wenn es für jeden vier verschiedene Wahrheiten geben kann (nach der Mathematik gibt es 4! {lies: vier Fakultät} mögliche Lösungen, also 24 an der Zahl!), diese Wahrscheinlichkeit ist eigentlich so gering, daß eine vollständige Übereinstimmung in der Beurteilung über ein Gesprächsergebnis schon fast wie ein kleines Wunder anmutet.

In diesem Zusammenhang sei noch auf eine amerikanische Untersuchung verwiesen (veröffentlicht laut "Psychologie heute", Feb. 2005, in Current Directions in Psychological Science, Bd. 13/4, 2004), wonach sich das Erinnerungsvermögen an eine explizite Situation verschlechtert, wenn währenddessen versucht wird, die Gefühle zu verstecken! Gerade Männer neigen dazu, sich in Auseinandersetzungen als "cool" zu präsentieren, nichts von ihren Gefühlen zu verraten. Somit kann zur eben erörterten Vielzahl an möglichen "Wahrheiten" über eine Botschaft auch noch eine Trübung der Erinnerung kommen!

Mit der Rückkopplung, auch feedback-Methode genannt, kann dieser Gordische Knoten zertrennt werden: Durch eine Rückfrage, z.B. "habe ich richtig verstanden, daß..." läßt sich ein gut Teil mehr Klarheit schaffen. Wir dürfen allerdings nicht übersehen, daß dem feedback im Rahmen einer destruktiv ablaufenden Kommunikation enge Grenzen gesetzt sind. Zum Einen muß die Rückkopplung bewußt als Mittel zum positiven Zweck eingesetzt werden, und zum Andern muß mein Gegenüber bereit sein, darauf einzugehen!!
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