Abschlussbetrachtungen

Bei der abschließenden, reflektierenden Betrachtung der destruktiven Paarkommunikation müssen wir feststellen, daß die Kommunikation auch und gerade für Paare sehr viele Fallstricke bereithält, die beim Gespräch zwischen mehr oder weniger fremden Menschen nicht auftreten. In der Paarkommunikation ist jedes Gespräch faktisch die Fortsetzung des letzten und daher u.U. schon von vorneherein negativ vorbelastet. In der Kommunikation mit Außenstehenden schränken die allgemein praktizierten Regeln der Höflichkeit eventuelle Konflikt-möglichkeiten deutlich ein. Solche Differenzierungen gibt es noch viele und so ist es nicht verwunderlich, wenn festgestellt wird, daß die Qualität der Paarkommunikation über die Zeit hinweg abnimmt. Das bestätigen wissenschaftliche Untersuchungen. So auch die LBS-Familien-Studie (Wassilios E. Fthenakis/Bernhard Kalicki/Gabriele Peitz: Paare werden Eltern; Opladen 2002: Leske + Budrich)

"Deutlich sind die Einbußen der Partnerschaftsqualität auf der Ebene der Paarinteraktion, also der Art und Weise, wie die Partner miteinander umgehen. Betrachtet man das Ausmaß von Kommunikation und Gemeinsamkeiten im Zeitintervall von der Schwangerschaft bis drei Jahre nach der Geburt des ersten Kindes, beobachtet man einen drastischen Abfall." (LBS-Studie; a.a.O.)

Zur Abrundung unserer Überlegungen soll mit zwei Zitaten von Prof. Dr. Guy Bodenmann (Koordinator des Instituts für Familienforschung und -beratung der Universität Fribourg) auf (1) besonders gefährliche Kommunikationsfallen hingewiesen und (2) der gute Zuhörer charakterisiert werden (http://www.unifr.ch/iff/alt/d/buchartikel/artikel/partngelingen.htm).

(1) Gefährliche Kommunikationsfallen

"Es haben sich insbesondere vier Kommunikationsmerkmale als besonders destruktiv für den Verlauf einer Partnerschaft herauskristallisiert:

destruktive Kritik (verallgemeinernde, negative Bemerkungen: z.B. "Du machst das ja sowieso nie"),

verächtliche, den Partner abwertende Bemerkungen

(z.B. "Aha, plötzlich interessierst du dich für andere Leute"),

defensive Kommunikationsmuster (häufiges Sich-Verteidigen bei gleichzeitigen Gegenangriffen und Rechtfertigungen; z.B. "Wieso soll ich das tun, du gibst dir ja auch keine Mühe, mir etwas zuliebe zu tun, und überhaupt...") sowie

Rückzug aus der Kommunikation und Gesprächsverweigerung (sich abwenden, rausgehen, den Partner ins Leere gehen lassen).

Paare, bei welchen diese vier Verhaltensstile in Gesprächen häufig zu beobachten sind, haben ein erhöhtes Scheidungsrisiko. Der amerikanische Paarforscher Prof. John Gottman konnte aufgrund der Häufigkeit des Auftretens dieser vier Kommunikationsfehler mit 80 bis 90% Wahrscheinlichkeit die Scheidung von Paaren vorhersagen." (Bodenmann; a.a.O.)

(2) Wie ist man ein guter Kommunikator / Zuhörer?

Wollte man die Ausführungen zur destruktiven Paarkommunikation mit einer populistischen Erklärung kommentieren, so könnte man sagen, daß alles, was Kommunikation ausmacht, verwendet werden kann, sie destruktiv ablaufen zu lassen! Glücklicherweise lassen sich, mit gutem Willen bei den Beteiligten, die Probleme der Kommunikation, so vielschichtig sie im Ursprung sind, mit relativ wenigen, einfachen Mitteln in den Griff bekommen, das zeigen uns die Anweisungen von Bodemann, man muß sie nur beherzigen.

Was nützen die Erkenntnisse, wenn man sie nicht umsetzen kann?

Leider zeigt es sich immer wieder, dass das Wissen um die Hürden in der Kommunikation alleine nicht ausreicht, um die Schwierigkeiten des Paares zu überwinden. Hier ist Hilfe von außen gefragt, eine Paarberatung, ein Mediator, der vermitteln kann. Vielleicht reicht es aber auch schon, wenn man sich mit einem neutralen Dritten aussprechen kann - auch hier bietet das Internet Möglichkeiten. Eine davon ist  die kummer-und-sorgen.website, Hier ist die Möglichkeit zu einem anonymen, vertraulichen Gedankenaustausch gegeben, vielleicht der erste Schritt um zu lernen, sich und den Partner / die Partnerin objektiv zu hinterfragen!
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